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«Technologie muss nutzbringend sein»

Das Unispital Basel (USB) treibt die Digitalisierung im Spitalalltag mit diversen Innovationen voran. Prof. Jens Eckstein, CMIO und Leitender Arzt am Universitätsspital Basel (USB), gewährte uns bereits am letztjährigen Virtual-Healthcare-Event von ITRIS One einen Einblick in die Projekte seines Teams. Im Interview verrät er, wie weit fortgeschritten sie inzwischen sind – und gewährt einen Blick in die Zukunft

Self-Check-in mitsamt Vitalparameter-Scan; Armbänder für die konstante Messung von Körperwerten, sowohl stationär als auch zuhause; VR-Brillen gegen Unruhe als Teilersatz hoher Medikation: Im Innovation Management des Unispitals Basel arbeitet schon heute an den Spitaltechnologien der Zukunft. Treiber einiger Entwicklungen ist der «Future-Friday», ein jährlich mehrmals stattfindender Wettbewerb, an dem Mitarbeitende ihre innovativen Digitalisierungsideen vorstellen und die besten davon gefördert werden. Gerade ein hochverfügbares Netzwerk wie auch eine flächendeckende WLAN-Vernetzung sind dabei essenziell, um diese neuen Technologien produktiv im Spitalalltag einsetzen zu können. ITRIS kommt hier deshalb eine Schlüsselrolle zu: Als langjähriger Infrastruktur- und Service-Provider stellen wir einen performanten, sicheren Betrieb der ganzen IT-Architektur des USB sicher.

Schon an unserem letztjährigen Virtual-Healthcare-Event berichtete Prof. Jens Eckstein, CMIO und Leitender Arzt des USB von den Digitalisierungsvorhaben, die auf dem «Future-Friday» fussen. Was ist inzwischen mit diesen Innovationen geschehen? Halten sie tatsächlich Einzug im Spitalalltag? ITRIS hat bei Jens Eckstein nachgefragt.

ITRIS: Das Team des Notfallzentrums und Ihr Team arbeiten momentan unter anderem an einem «Smart Self Check in». Was genau hat es damit auf sich?

Jens Eckstein: Am Self-Check-in-Terminal können Patientinnen und Patienten, die zuvor durch eine Fachkraft als stabil eingestuft wurden, während der sonst folgenden Wartezeit bereits wichtige Informationen vorbereiten. Sie lesen zu diesem Zweck ihre Krankenkarte ein und führen die Anamnese – Angaben zu Beschwerden und zum Grund des Spitalaufenthalts – eigenhändig durch. Ausserdem sollen während des Check-Ins kontaktlos Vitalparameter – Puls, Atemfrequenz, Temperatur, etc. – bestimmt werden. Zusammen werden diese Informationen helfen, Patienten noch sicherer und schneller die richtige Behandlung zukommen zu lassen.

Wie weit ausgereift ist dieses Terminal heute?

In der Notfallstation des Unispitals Basel ist es seit November letzten Jahres mit einem administrativen Modul im Einsatz. Seitdem wurde das Terminal von mehreren hundert von Patient:Innen genutzt. In unserem COVID-Testzentrum können sich Getestete ihr Resultat via Check-in direkt aufs Smartphone bestellen. Es freut uns natürlich enorm, wenn unsere Innovationen tatsächlich den Weg in den Spitalalltag finden – was aber nicht bedeutet, dass die Entwicklung damit abgeschlossen ist. Der nächste Schritt, die Erhebung der Anamnese, ist aktuell in Vorbereitung.

Das Smart Self-Check-In wird also weiterentwickelt?

Unbedingt! Durch den modularen Ansatz wird es ja auch ausserhalb des Notfallzentrums einsetzbar sein. Unser nächstes Ziel, nach der Anamnese ist es, per Videosignal beim Check-In auch gleich die Vitalparameter der Patient:Innen abzufragen. Dies wurde bereits erfolgreich auf dem Notfallzentrum getestet, die Entwicklung wird aber noch etwas dauern. Daher führen wir diesen Teil des Check-Ins als separates Projekt weiter.

Wichtig ist ja nicht bloss, dass eine Technologie funktioniert, sondern vor allem, dass sie den Anwender:Innen auch Nutzen bringt. Im Projekt mit VR-Brillen stehen wir kurz davor, deren Nutzen tatsächlich zu belegen.

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Mehr Nähe für den Patienten dank Digitalisierung

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VR-Brillen? Wo liegt da der Nutzen?

Wir wollen bei Patientinnen und Patienten mittels VR-Brillen die Aufmerksamkeit von ihren Schmerzen auf angenehme, beruhigende Szenen lenken. Sie sehen über die Brille 360°-Videos, beispielsweise vom Rheinufer oder vom Basler Münster. Das Feedback der Patientinnen und Patienten auf die VR-Erlebnisse war überwältigend. Momentan laufen dazu strukturiertere Untersuchungen beispielsweise in der Dermatologie, wo wir empirisch testen, ob Virtual Reality bei Juckreiz oder Verbandswechseln eine schmerzlindernde Wirkung hat.

 

 

VR nimmt Einfluss auf das subjektive Schmerzempfinden?

Ja – was sich auch auf die Medikation auswirken könnte. Um ein anderes Beispiel zu nennen: Einige unserer Patientinnen und Patienten werden über mehrere Wochen – wenn nicht sogar Monate – stationär bei uns behandelt. Wer über solch lange Zeit im selben Spitalzimmer verharrt, teilweise isoliert, leidet oft unter Unruhe und in der Folge unter Schlaf- und Entspannungsproblemen. In solchen Fällen verabreichen wir in der Regel Beruhigungsmittel. Eine hohe Dosierung kann zu Nebenwirkungen führen. Deshalb wollen wir diese Patient:Innen mit entspannenden Virtual-Reality- Erlebnissen quasi prädisponieren, um durch eine Kombination von VR und Medikamenten die Dosis reduzieren zu können. Dazu werden wir ebenfalls Studien durchführen.

Werden diese Innovationen über das Unispital Basel hinaus Wirkung entfalten?

Ja, wir entwickeln nicht exklusiv für das Unispital Basel. Wir wollen unsere Lösungen kommerzialisieren und auch anderen Spitälern zugänglich machen. Schliesslich nimmt das USB auch an verschiedenen Förderprogrammen teil: Im Rahmen des durch Innosuisse unterstützten «SHIFT»-Flagship-Projekts entwickeln wir eine Infrastruktur zur Monitorisierung unserer stationären und ambulanten Patienten mit mobilen Sensoren. Diese Projekte beinhalten als zentralen Bestandteil das Basler Band, welches wir mit zusätzlichen Industriepartnern entwickeln und kontinuierlich validieren. Ziel der durch Innosuisse geförderten Projekte ist klar die Entwicklung eines Produktes, welches im Anschluss auf den Markt kommen sollte.

Die Rolle von ITRIS

Für den modernen Spitalbetrieb ist das USB auf ein hochverfügbares Netzwerk wie auch auf eine flächendeckende WLAN-Vernetzung angewiesen. ITRIS kommt hier deshalb eine Schlüsselrolle zu: Als langjähriger Infrastruktur- und Service-Provider stellen wir einen performanten, sicheren Betrieb der ganzen IT-Architektur des USB sicher.

Was genau ist das Basler Band?

Das Basler Band ist in erster Linie einmal ein Konzept, bei dem wir anstreben, ein klinisch anwendbares Wearable zu entwickeln und andere dabei zu unterstützen, es für ihre Bedürfnisse anzuwenden. Aktuell verwenden wir ein dünnes Silikonarmband mit einer Multisensor-Einheit. Erfolgreich getestet haben wir es zum Beispiel schon bei der frühzeitigen Erkennung von Vorhofflimmern. Die zugrundeliegende Technologie, die ebenfalls zu einem grossen Teil von uns entwickelt wurde, wird von den internationalen Gesellschaften inzwischen auch als Diagnosemethode empfohlen. Das erste Patientenfeedback zum Band war sehr gut, und es laufen jetzt weitere Studien – unter anderem auch der Vergleich mit Langzeit-EKGs. Und das Basler Band soll weiterentwickelt werden, so dass es auch weitere Körperwerte messen kann, wie beispielsweise die Temperatur. Dazu testen wir das Band derzeit an Personen, die sich gegen Corona impfen lassen. Dieses Studien-Setting ist ideal.

Warum?
Zuerst hatten wir die Idee, Personen, welche einen Corona Test benötigten, für die Teilnahme an der Studie zu fragen. Menschen mit Covid-Symptomen geht es oft sehr schlecht und es ist schwierig, sie in einer solchen Situation für eine Studie zu gewinnen. Corona-Impfende sind als Probanden viel besser geeignet: Sie begeben sich gesund, vorbereitet und kontrolliert zur Impfung und können so der Studienteilnahme zustimmen. Da durch die Impfung auch Fieber als Nebenwirkung auftreten kann, sind das ideale Voraussetzungen, um beim Basler Band die Genauigkeit bei der Temperaturmessung zu testen.

Gibt es noch weitere Ideen zum Basler Band?

Das Basler Band ist als persönliches Wearable konzipiert, das Patient:Innen mit nach Hause nehmen und wiederverwenden dürfen. Deshalb soll es längerfristig auch im Aussenbereich zum Einsatz kommen: Es soll über die Patienten-App gekoppelt werden und ermögliche dann die Überwachung der Vitalparameter vor oder nach einer ärztlichen Behandlung. Die aufgezeichneten Daten stünden über unser USB-e-Portal auch den entsprechenden Hausärzt:Innen zur Verfügung. Diese könnten dann Patient:Innen vor und nach einer Untersuchung bitten, das Basler Band zu tragen, um vorab oder zur Beobachtung die Körperwerte aufzuzeichnen. Diese Kombination der Innen- und Aussenmonitorisierung mit demselben Armband wäre eine Weltpremiere.

Bei all diesen Projekten können Sie wohl kaum über Langeweile klagen… 

Keineswegs, nein. Wir werden noch viele Hürden zu meistern haben. Aber immerhin geht es voran. Die Projekte in unserem Team nehmen dermassen an Fahrt auf, dass wir sogar personell aufstocken durften. Ich bin froh, mit so einem guten und engagierten Team an diesen Projekten arbeiten zu dürfen.

Wie sehen Sie die Rolle von ITRIS in der Umsetzung und Einführung dieser neuen Technologien?

Wie im sonstigen Spitalalltag sind wir natürlich auch bei der Realisierung dieser neuen Innovationen auf eine performante, gut funktionierende IT-Infrastruktur angewiesen. Hier profitieren wir klar vom Know-how von ITRIS: Als langjähriger Partner mit viel Expertise im Gesundheitswesen kennt ITRIS die Anforderungen, die wir als Spital an unsere IT-Infrastruktur stellen, und steht uns auch hier kompetent zur Seite. Besonders erfreulich ist aus meiner Sicht auch die menschliche Zusammenarbeit, bei der gelegentlich, auch im Sinne der Agilität und der Sache, in Vorleistung gegangen wurde. Für ein solches Vorgehen braucht es ein gegenseitiges Vertrauen und das richtige Mindset.

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